Ediacara
Zeugen der Evolution

Leben im Ediacarium

Wenn man sich nach den heutigen Erkenntnissen die Welt von vor 550 Millionen Jahren vorstellt, eröffnen sich völlig fremde, unbekannte Lebewesen.

Blattartige Wesen, Quallenähnliche Formen, seltsame wie Würmer aussehende Organismen bevölkerten die Urmeere.

Rekonstruktion
Abb.1 Rekonstruktion einiger Tiere
die durch Fossilien nachgewiesen sind
Cyclomedusa
Abb.2 Cyclomedusa, eine quallenähnliche Form
Ediacara Hills, Australien

Die Ediacara Fauna, auch bekannt unter der Bezeichnung Vendische Fauna stellen die ersten höherentwickelten Lebewesen auf unserer Erde dar, die uns fossil überliefert sind.

Die Entdeckung der Ediacara Fauna...

Die Ediacara-Fauna ist benannt nach ihrem bekanntesten Fundort, dem Ediacara-Hügeln in Südaustralien. Entdeckt wurden diese aber erstmals 1908 in Namibia von deutschen Geologen während der Kolonialzeit. Allerdings hat man Ihre Bedeutung damals nicht erkannt. Erst als 1945 durch den Geologen Reg Sprigg die Funde der Ediacara in Australien pubilziert wurden erkannte man die Bedeutung.

Als mitte des letzen Jahrunderts die Paläontologie eines der grösten Rätsel, die sog. Kambrische Explosion erklären wollte, war diese Publikation ein Glücksfall.

Fundstelle
Abb.3 Karte der Fundstelle in Australien
Ediacara Hills
Abb.4 Ediacara Hills, Australien

Durch diesen Fund war die stimmige Erklärung der Kambrischen Explosion möglich, da nun Vorfahren entdeckt worden waren, welche als frühe Vorfahren der heutigen Tiere geradezu ideal in die Geschichte der Entstehung des Lebens paßten. Diese entwickelten sich im Kambrium sich - nach der damaligen Fundlage nam man dies an- rasant weiter. Heute weiss man aber, das es keine so rasante Entwicklung gab, wie uns neue Funde zeigen.

Diese Theorie wurde 1983 durch den Geologen Adolf Seilacher scharf kritisiert. Viele der Wesen seine zu fremdartig, um sie in die heutig bekannte Tierwelt einordnen zu können. Als abgesteppte Luftmatratzen ähnelnd wurden die Wesen von Seilacher beschrieben, und die Wesen als Vendobionten in ein eigenes Reich neben den Tieren und Pflanzen eingeordnet.

Was wissen wir heute über diese Wesen?

Diese Theorie rüttelte an dem Weltbild das sich von dem Übergang zum Kambrium bisher gemacht wurde, es wurden sogar Überlegungen laut ob es möglich sei das sich tierähnliches Leben auf der Erde zweimal entwickeln konnte - Evulotionstheoretisch eine sehr brisante Theorie.

Durch neue Funde, die mittlerweile an über 40 Fundstellen rund um die Welt gemacht wurden, zeichnet sich aber das Bild ab das die Ediacara Welt doch tierisch ist. Viele Tiere aber sind nach wie vor schwer oder gar nicht einzuordnen, da diese einfach zu fremdartig wirken.

Einige Forscher halten diese Tiere für Würmer, andere wiederum halten an den Luftmatratzen fest. Problematisch ist auch, das das Sediment in das die Wesen eingebettet sind sehr grobkörnig ist, und so viele Einzellheiten nicht überliefert werden können. Da aber einige Wesen der Ediacara Fauna auch noch in Kambrischen Sedimenten, die weitaus feinkörniger sind, überliefert sind kommen heute die meisten Wissenschaftler wieder zu dem Schluss das die Ediacara Formen einfache Vorläufer der Kambrischen Tiere sind.

Allerdings ist die Tatsache das sich solche Weichkörperlebewesen, in grobkörnigen Meeressediment erhalten können bemerkenswert. Aus diesem Grunde glauben viele Wissenschaftler das Bakterienkolonien, sogenannte Biomatten mithalfen. Diese lagen über dem Meeresgrund und konnten unter bestimmten Umständen die Leichen überlagern und so erhalten, ähnlich wie die Hautschatten der Messel Fossilien.

Ausserdem zeigt die Tatsache das diese Formen bis in das Kambrium überlebt haben, das die Kambrische Explosion nicht so explosiv gewesen sein kann, und dass das Verschwinden dieser auch nicht plötzlich, sondern über Jahrmillionen passierte.

Charniodiscus
Abb.5 Rekonstruktion von Charniodiscus sp.
Thaumaptilon
Abb.6 Thaumaptilon walcotti gefunden in Burgess Shale, Kambrium

Das völlige Fehlen von Bissspuren an den Fossilien ergibt ein weiteren Einblick in diese Welt. Eventuell bestand Ihre Nahrung aus den gelösten Mineralien des Meeres, oder aber auch in Symbiose mit Bakterien als Biogasverwerter. Da keine Fressorgane erhalten sind, kann man davon ausgehen das es kein Fressen und Gefressenwerden gab.

Warum sind diese ausgestorben?

Diese Frage wird wohl nie gesichert beantwortet werden können, aber es ist vorstellbar das die Lebewesen der kambrischen Welt, gepanzert und bewehrt, die Weichtiere der Ediacara schlicht auffrassen. Aber auch ein langsamer Übergang, wie das Verdränden aus dem angestammten Lebensraum ist eine vorstellbare Theorie, die zudem die Linie von der Ediacra Fauna zu moderneren Tieren unterstützt.

Bildquellen:

  • Abb.1: Krisen der Evolution, Steven M. Stanley, Spektrum d. Wissenschaft, 1989
  • Abb.2: Martin Sauter
  • Abb.3: Herkunft unbekannt (Internet)
  • Abb.4: Herkunft unbekannt (Internet)
  • Abb.5: Herkunft unbekannt (Internet)
  • Abb.6: The Fossils of the Burgess Shale
Rechtlicher Hinweis: Die Urheberrechte des Bildmaterials liegen bei den jeweiligen Besitzern der Rechte. Bilder und Texte von mir dürfen unter Angabe meiner Seite und Namen im privaten Rahmen weiterverwendet werden.
© 2010 www.sauti.de

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