Trilobiten
Zeugen der Evolution

Allgemeines

Trilobiten sind - zu recht - mit die faszinierendsten Fossilien die man sammeln kann. Diese Tiere traten erstmals im Kambrium auf und bevölkerten die Meere bis zur Krise am Ende des Perms , wo sie ausstarben. Obwohl oft als primitiv empfunden waren sie dies nicht, sondern hochangepasste Tiere die mehr als 250 Millionen Jahre lang die Weltmeere bevölkerten.

Dalmanites dekayi
Abb.1 Dalmanites dekayi, New York, USA, Silur

Asaphus lepidurus
Abb.2 Asaphus lepidurus, Wolga, Russland, Ordovizium

Was sind Trilobiten?

Trilobiten gehören zur Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda), wie auch Insekten, Spinnentiere und Krebse. Am ehesten lassen sie sich mit den uns heute bekannten Kellerasseln vergleichen, auch wenn diese keine näheren Verwandten sind. Trilobiten waren entgegen den heutigen Kellerasseln reine Meerestiere.

Der Name Trilobit leitet sich von der Dreiteilung des Panzers ab (Tri = Drei), allerdings wird oft der Fehler gemacht das man davon ausgeht das diese Dreiteilung den Kopfschild (Cephalon), Körper (Thorax) und das Schwanzschild (Pygidium) beschreibt. Vielmehr ist damit aber die Dreiteilung des Körpers in die Zentrale Achse und die Seiten (Pleuren) gemeint

Schematische Darstellung eines Trilobiten
Abb.3 Schematische Darstellung eines Trilobiten


Geschichte der Erforschung der Trilobiten

Der erste nachweisliche Sammler eines Trilobiten war ein Bewohner einer Pfahlbausiedlung, allerdings kann man hier natürlich nicht von einer Erforschung sprechen. Die erste naturwissenschaftliche Veröffentlichung über einen Trilobiten stammt aus dem Jahr 1698 von Dr. Lhwyd, der einen Trilobiten aus der walisischen Stadt Llandeilo beschreibt. Allerdings ist er der Meinung gewesen das es sich offensichtlich um das Skelett eines Plattfisches handelt.
Zeichnung
Abb.4 Zeichnung des "Plattfisches", der
eigentlich der Trilobit Ogygiocarella ist.


Man erkannte später das Trilobiten zu den Arthropoden gehörten, allerdings waren lange Zeit nur die Panzer bekannt. Es gab zahlreiche Rekonstruktionsversuche, auch die der Beine, allerdings sind diese oftmals sehr fantasiereich, wie die Rekonstruktion von J.S. Schroeter um 1774 zeigt.

Rekonstruktion um 1774
Abb.5 Rekonstruktion um 1774 von J.S. Schroeter mit Beindarstellung


Der Panzer der Trilobiten besteht aus Calcit, daher ist dieser meist als einziges erhalten geblieben. Aus diesem Grunde gestaltete sich gerade die Erforschung der Extremitäten sehr schwierig. Hier gelang Charles D. Walcott (der Entdecker der Burgess Shale Fauna - siehe Special: Burgess Shale - Ein Fenster ins Kambrium.) der entscheidende Durchbruch. 1876 gelang es Ihm die inneren Strukturen eines Trilobiten durch aufschneiden und polieren von Funden die er in der Nähe von Trenton Falls (New York) gemacht hatte zu erforschen.

Rekonstruktion
Abb.6 Walcotts erste Rekonstruktion der Gliedmassen eines Trilobiten, die allerdings nicht ganz korrekt ist.

Rekonstruktion
Abb.7 Heutige Rekonstruktion der gespaltenen Extremitäten (Bein und Kiemen) nach H. Whittington und J. Almond


Durch die spätere Entdeckung der Burgess Shale Fauna, sowie auch andere sogenannte Lagerstätten (Dazu gehört auch in Deutschland das Devonische Hunsrückschiefer Vorkommen in denen die Beine als Pyrit erhalten vorliegen) sind heute die Trilobiten mit Ihren Extremitäten sowie auch Ihren inneren Organen gut bekannt.

Lebensweise von Trilobiten

Trilobiten waren an die Unterschiedlichsten Lebensräume angepasst. Es gab Trilobiten die im Meeresgrund lebten, und diesen Schlamm nach Nahrung durchsuchten, es gab Schwimmer genauso wie auf dem Meeresgrund lebende Arten. Es gab Arten die an Tropische Meere genauso angepasst waren wie andere an kaltes Klima. Ebenso finden sich Tiefseearten und natürlich Flachwasserbewohner. Einzig das Süßwasser wurde von Ihnen nicht besiedelt. Es gab Trilobiten die nur wenige mm groß waren, und wahre Riesen mit über 70 cm. All das zeigt das diese Tiere hochentwickelte und angepasste Lebewesen waren.

Wie sich Trilobiten fortpflanzten ist immer noch nicht geklärt. Auch ob Sie Ihre Eier nach der Befruchtung in das Meerwasser entließen, oder ob Sie eine Art von Brutpflege betrieben ist noch nicht ganz klar. Sicher ist jedoch das Trilobitenlarven nach dem Ei- Stadium die erste Zeit ihres Daseins wohl schwebend im Wasser verbrachten. Die Entwicklung eines Trilobiten vom Larvenstadium bis zum ausgewachsenem Tier wurde erstmals von Joachim Barrande an der Tschechischen Trilobitenart Sao hirsuta nachgewiesen, in dem er von adulten (erwachsenem) Exemplar ausgehend immer kleinere Exemplare mit weniger Segmenten sammelte. Heutzutage ist diese Ontogenese bei vielen weiteren Arten nachgewiesen.

Trilobitenlarve
Abb.8 Trilobitenlarve Sao hirsuta, Skryje Tschechien, ca. 500 Mio. Jahre

Sao hirsuta
Abb.9 Darstellung der Entwicklung bei Sao hirsuta von Joachim Barrande


Da Trilobiten über ein Exoskelett verfügten, mussten Sie sich bei jedem Wachstum, genau wie heutige Krebse, häuten. Aus diesen Grunde kann man davon ausgehen das die meisten gefundenen Fossilien von Trilobiten sogenannte Exuvien, also Häutungshemden sind. Die Häutung wurde durch Sollbruchstellen am Kopfschild vereinfacht. Der Trilobit klappte das Cephalon an dieser Gesichtsnaht auf, und konnte dann, seinen alten Panzer abstreifend, nach vorne herauskrabbeln. Bei vielen Fossilien erkennt man das diese Gesichtsnaht aufgebrochen ist, und die Wangen (sog. Freiwangen) weggebrochen sind, was zeigt das es sich um ein Häutungshemd handelt.

Modicia hewlisca
Abb.10 Modicia hewlisca, USA, ca. 525
Mio. Jahre mit abgebrochener Freiwange


Lebensweise von Trilobiten

Die Trilobiten waren die ersten Tiere die hochentwickelte Augen besaßen. Diese waren bereits im Kambrium entwickelt. Es gab allerdings auch blinde Formen, wobei man davon ausgeht das diese sekundär erblindeten, das bedeutet das diese im Laufe der Evolution Ihre Augen wieder verloren. Nur die Agnostiden werden als primär Augenlos angesehen, haben also während Ihrer Evolution keine Augen entwickelt.

Peronopsis interstrictusca
Abb.11 Primär Augenlos waren die Agnostiden, Peronopsis interstrictusca ca. 550 Mio. Jahre Utah/USA .

Conocoryphe sulzeri
Abb.12 Sekundär Augenloser Trilobit Conocoryphe sulzeri, Tschechien, ca. 500 Mio. Jahre.


Man kann bei Trilobitenaugen sehr leicht die zwei Hauptformen unterscheiden. Beim sogenannten holochroalen Auge grenzen die einzelnen Linsen unmittelbar aneinander, und bilden so eine geschlossene Augenfläche, wohingegen beim schizochroalen Auge die einzelnen runden Linsen voneinander abgetrennt sind. Es gibt noch eine weitere Form von Trilobitenaugen, die sogenannte Abanthochroale Form, diese ist aber nur eine abgewandelte Form der schizochroalen Augen.

Holochroales Auge
Abb.13 Holochroales Auge eines Trilobiten

Schizochroales Auge
Abb.14 Schizochroales Auge eines Trilobiten


Trotz all dieser Anpassungen und Spezialisierungen gelang es den Trilobiten nicht die Krise am Ende des Perms zu überleben, sie starben mit einer Vielzahl von anderen Tieren aus.

Bildquellen:

  • Abb.1: Martin Sauter
  • Abb.2: Martin Sauter
  • Abb.3: Martin Sauter, umgezeichnet nach Vorlage Sam Gon III, Ph. D.
  • Abb.4: Richard Fortey - Trilobiten! C.H. Beck Verlag München 2002
  • Abb.5: Richard Fortey - Trilobiten! C.H. Beck Verlag München 2002
  • Abb.6: Richard Fortey - Trilobiten! C.H. Beck Verlag München 2002
  • Abb.7: Richard Fortey - Trilobiten! C.H. Beck Verlag München 2002
  • Abb.8: Martin Sauter
  • Abb.9: Systeme Silurien du Centre de la Boheme, Joachim Barrande, Nachdruck des Werkes von 1852
  • Abb.10: Bild Martin Sauter, Fossiliensammlung Silvio Keller
  • Abb.11: Martin Sauter
  • Abb.12: Martin Sauter
  • Abb.13: Martin Sauter
  • Abb.14: Martin Sauter
Rechtlicher Hinweis: Die Urheberrechte des Bildmaterials liegen bei den jeweiligen Besitzern der Rechte. Bilder und Texte von mir dürfen unter Angabe meiner Seite und Namen im privaten Rahmen weiterverwendet werden.
© 2010 www.sauti.de

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